Das Schönheitsideal im Wandel der Zeit

Das Schönheitsideal im Wandel der Zeit

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen galt Schönheit als eines der erstrebenswertesten und höchsten Güter. Seit jeher werden weder Kosten noch Mühen gescheut, um das angestrebte Schönheitsideal zu erreichen oder sich ihm zumindest anzunähern.

Doch nicht immer galt als schön, was wir heute als schön betrachten. Viele sogenannte Makel, die heutzutage um jeden Preis bekämpft werden, stellten früher das Nonplusultra eines begehrenswerten Körpers dar.

Im Mittelalter brachten Frauen mit breiten Hüften, kleinen Brüsten, hoher Stirn und bleicher Haut das Blut der Männerwelt in Wallung. Der helle Teint galt als Statussymbol, gab er doch zu verstehen, dass man es nicht nötig hatte, unter sengender Sonne harte körperliche Arbeit zu verrichten. Das breite Becken der Frau gilt schon immer als Zeichen von Fruchtbarkeit.

Zur Zeit des berühmten Barockmalers Peter Paul Rubens, im 17. Jahrhundert, wollten Frauen üppig und sinnlich sein. Ausladende Rundungen waren ein Zeichen von Wohlstand und wurden somit allgemein als schön und erstrebenswert betrachtet. Deutlich zu erkennen ist auch die Cellulitis der Grazien, die von Rubens in seinen Gemälden verewigt wurden.
Frauen schnürten sich damals in enge Korsagen, um die weibliche Silhouette zu betonen. Dieses Ideal hielt sich zusammen mit der blassen Haut auch noch im nächsten Jahrhundert. Um 1700 benutzte man hellen Puder, die Wangen wurden mit leuchtendem Rouge betont, man klebte sich künstliche Schönheitsflecken ins Gesicht und die Frisuren, ebenfalls gepudert, erreichten schwindelerregende Höhen. In dieser Zeit schminkten sich übrigens auch Männer, ein Trend, der vom französischen Königshof ausging, welcher damals als stilbildend in Europa galt.

Im 19. Jahrhundert, als die englische Queen Victoria regierte und die Präraffaeliten mit ihren morbiden Gemälden für Aufsehen sorgten, in einer Zeit als Bram Stoker Dracula und Mary Shelley Frankenstein verfasste, blieb auch das weibliche Schönheitsideal von derlei „dunklen“ Strömungen nicht unberührt. Weiterhin in Korsagen eingeschnürt, wollten Frauen bleich und zerbrechlich wirken. Um dieses Ideal zu verwirklichen, trank man Essig und benutzte Augentropfen aus Belladonna, welche die Pupille vergrößerten. Nicht wenige Damen der höheren Gesellschaft bezahlten ihre Eitelkeit damals mit ihrer Gesundheit.

Im 20. Jahrhundert revolutionierte Coco Chanel das Frauenbild, sie befreite die Damen aus ihren engen Korsagen und etablierte ein Schönheitsideal, das an die Männerwelt angelehnt war.
Heutzutage ist schön, wer Jugendlichkeit, Fitness und Gesundheit ausstrahlt. Merkmale, die nicht zuletzt auf Leistungsfähigkeit im Beruf schließen lassen, eine Eigenschaft, die für Frauen in der heutigen Zeit genauso erstrebenswert ist, wie für Männer und sich daher auch im weiblichen Schönheitsideal niederschlägt.