Hygiene – Damals und heute

Hygiene – Damals und heute

Früher waren Begriffe wie Körper- und Mundhygiene weitgehend unbekannt. Heute lernen die Kinder schon im Vorschulalter den richtigen Umgang mit Zahnbürste und Seife. Es folgt eine kleine Geschichte der Hygiene.

1911
Vor hundert Jahren gab es in den meisten Häusern weder Toiletten noch fließendes Wasser. Die Menschen verrichteten ihre Notdurft über das Plumpsklo direkt in eine Jauchegrube neben dem Haus. Toilettenpapier gab es nur für Reiche, das gemeine Volk behalf sich mit Zeitungspapier. Man wusch sich mit kaltem Brunnenwasser. Reichte das allein zur Reinigung nicht aus, wurde Kernseife benutzt. Bauern und Arbeiter hatten schwarze Fingernägel und abgearbeitete, rissige Hände. Eine Pflege dafür gab es nicht. Gebadet wurde einmal wöchentlich in einer Zinkbadewanne. Das auf einem Ofen erhitzte Wasser musste mit Eimern eingefüllt werden. Eine Wannenfüllung musste für die gesamte Familie reichen. Cremes und Parfums zur Pflege nach dem Bad waren der wohlhabenden Oberschicht vorbehalten. Zahnbürsten waren unbekannt.

1961
Fünfzig Jahre später gab es in vielen Arbeiterwohnungen fließendes Wasser und ein Klosett. Die Bewohner wuschen sich am Wasserstein in der Küche. Einige Familien leisteten sich ein Bankbad: Unter einer verschiebbaren gepolsterten Sitzfläche befand sich eine Wanne mit Wasseranschluss. Eine elektrische Pumpe erledigte den Ablauf des Schmutzwassers.
Make-up und Nagellack waren gesellschaftsfähig und die gepflegte Frau besuchte regelmäßig den Friseur. Die umständlichen Färbe- und Dauerwelltechniken und der Gestank ätzender Flüssigkeiten machte diesen Termin aber zu einer anstrengenden und ermüdenden Angelegenheit.

2011
Heute ist aus einfacher Körperpflege Kult geworden. Körperliche Reinheit wird durch die Medien mit Schönheit gleichgesetzt. Alle Wohnungen sind mit mindestens einem Badezimmer ausgestattet. Von der einfachen Badewanne über den Whirlpool bis hin zum Duschtempel mit Regen-, Schwall- oder Dampfdusche ist alles auf dem Markt, was das Herz begehrt.
Der regelmäßige Besuch einer Kosmetikerin ist für viele Frauen und Männer selbstverständlich. Spezielle Nagelstudios verhelfen mit Kunstnägeln in den tollsten Farben und Designs zu Händen wie ein Filmstar.
Aus dem ehemals unbequemen Friseurbesuch wurde das Frisuren-Atelier mit Wellness-Charakter. Enthaarungs-Studios helfen beim Entfernen lästiger Körperhaare und wer das Haus nicht verlassen möchte, bestellt sich eine Fußpflegerin oder den Masseur ins Haus.

Es hat sich viel getan am Pflegehimmel. Aus Zinkbadewannen wurden Heim-Saunen, ausgestattet mit Dampf-, Farblicht- und Duftfunktion. Man schwitzt auf körpergerecht geformten Bequemliegen unterm Sauna-Sternenhimmel. Wer mehr möchte, bucht ein Wochenende im Wellnesshotel mit Spa. Wassermassageliegen, Körperpeeling, Schlammbad und Kosmetikbehandlungen lassen die Alltagssorgen vergessen. Nach einem Sprung in den beheizten Pool ist der Tag perfekt. Mit den Schmutzfinken vor hundert Jahren haben wir heute nichts mehr gemein und das ist gut so. Probieren Sie mal etwas Neues aus!